Köln-InSight.TV

Das Magazin für Köln

Kalender

benjamin termin.jpg 

Benjamin Burkard „Aurum“ @ 30works

Freitag, 11. Oktober 2019
12:00-18:00 Uhr

Als iCal-Datei herunterladen

   

Mit „Aurum“ präsentiert Benjamin Burkard seinen ersten, rein in Gold gefassten Werkzyklus. Und bricht dabei virtuos mit gängigen Konnotationen und soziokulturellen Codices...

Hochbegehrt, mystisch und rar: Gold gehört zu den größten Faszinosien der menschlichen Kulturgeschichte. Und zu den originärsten Materialien in der Kunst: Die bislang ältesten, als Grabbeigaben entdeckten Goldartefakte datieren bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurück – und sind einmal mehr Beleg für die ungebrochene Relevanz, Beständigkeit und Schönheit, die das Edelmetall dank seiner warm-sattgelben Farbe und seiner so schweren wie sinnlichen Haptik über alle anderen festen Elemente erhebt.

Mit „Aurum“ verweist Benjamin Burkard nicht nur auf die so illustre wie martialische Sozialisationsgeschichte dieses (Roh)Stoffs, der gleichsam Eroberer und Despoten, Könige und Kirchenfürsten, Künstler und Despoten in seinen Bann zog, sondern wagt zugleich eine technisch wie ästhetisch gänzlich neue Auslotung des Materials. „Es ist die Suche nach neuen Möglichkeiten, die mich als Künstler antreibt.“, sagt Benjamin Burkard. „Goldgrund und Gold als punktuelles Dekorelement sind in der Malerei hinreichend belegt und etabliert. Aber wie malt man tatsächlich mit Blattgold? Wie verwandelt man das harte, extrem resistente und autarke Element zu händelbarer Materie, um daraus ein völlig eigenständiges Substrat zu gewinnen?“

Die Umdeutung von Begriffen und Symboliken...
Burkard unterwirft sich bei seinen Experimenten zur Schöpfung einer neuartigen Gold- Colorationstechnik einem geradezu alchemistischen Prozess – und agiert dabei als sprichwörtlicher Anti-Alchemist. Denn er versucht explizit nicht Gold zu synthetisieren oder artifiziell zu erschaffen; vielmehr nutzt er die echte, unverfälschte Subtanz mitsamt ihrer Beschaffenheiten, um sie durch chemische Prozesse, physikalische Brechungen, Aufschichtungen und Ätzungen zu manipulieren und derart zu zähmen, dass sie zu einem einerseits willfährigen wie andererseits einzigartigen Utensil wird. Womit er auch en passant eine symbolische Umdeutung evoziert. Er lässt das Element, das wie kein anderes für Begehren und Gier, Reichtum und metaphorischen Glanz steht, zum reinen Arbeitsmaterial mutieren und kehrt damit den materiellen wie ideellen, den ökonomischen wie ökologischen, den monetären wie künstlerischen Wert des Metalls wirkungsvoll um. Was sich auch in der Motivik von „Aurum“ widerspiegelt.

Da kleidet der 33-Jährige einen Panzer in Gold, umflort ihn mit zarten Blütenranken und führt damit die Kriegssymbolik ad absurdum – was sich auch im Bildtitel („Der Kompromiss“) niederschlägt. „Ich will neue Denkansätze und Wege aufzeigen, indem ich Objekte von ihrer eigentlichen Konnotation entkoppele.“, so der Künstler. Im Zuge dieser Intention umhüllt er Insekten und Unkraut mit einem Goldmantel und abstrahiert ihre vermeintliche Nicht-Wertigkeit mit dem gezielten Aufwerfen eines Paradoxons: Wertet das Gold diese niederen Naturentitäten nun auf - oder erfährt das kostbare Metall durch die Kontextualisierung mit diesen banalen Lebensformen nicht vielmehr eine Abwertung?

Spinnt man diese Gedanken weiter, drängt sich die zentrale Frage auf, was nun „mehr wert“ ist: Das Lebewesen, sei es in seiner einfachsten Form? Oder das Metall, für das einst gemordet, entvölkert und ausgerottet wurde? Und vielleicht heute in Zeiten von Hedgefonds, Währungsverfall und virtuellen Geldmärkten – obschon ungleich martialischer, dafür sinnbildlich - immer noch wird...?

Man darf Burkards Bildwelten durchaus als Gesellschaftskritik deuten; insbesondere, wenn er anonymisierte Menschengestalten in einem Goldschwall verschwinden oder sie gleichsam dürstend danach schöpfen lässt.
Dennoch ist nichts, wie es scheint. Denn jeder Kritik wohnt auch die Aufforderung zur Läuterung, zur Bildung einer neuen Sichtweise inne. Und so kann der bedrohliche Goldschwall auch als allegorische Horizonterweiterung gedeutet werden. Als Inspirationsquell und Ansporn zur Formierung eines neuen Wertesystems.

Vom Manierismus bis zu den Secessionisten...
Stilistisch stellt Benjamin Burkards Werkzyklus eine Zitation verschiedener Strömungen und Epochen dar; erinnern seine Stillleben um die goldgetränkten Pusteblumen („Allergen“) in ihrer Hell-Dunkel Dramatik an die Manieristen und niederländischen Meister des hier wörtlich umgesetzten „Goldenen Zeitalters“, weisen andere Arbeiten Anleihen beim Symbolismus auf. Und Burkards Tondo „Gottesanbeter“ in seiner fast phantasmagorischen Anmutung könnten glatt den Rätselwelten von Hieronymus Bosch entsprungen sein.

In seiner Rolle als Experimentator eifert Benjamin Burkard Gustav Klimt nach, der für die Werke seiner „Goldenen Periode“ ebenfalls das Potenzial des Materials auszuschöpfen wusste und im Zuge seiner empirischen Studien Gold zum Hauptprotagonisten so ikonischer Gemälde wie „Adele Bloch-Bauer“ und „Der Kuss“ erhob.

Mit „Aurum“ befreit sich Benjamin Burkard vom Sujet der Maschinenbilder, mit denen er 2017 bei 30works debütierte, und eröffnet einen neuen Dialog mit dem Betrachter. Was bleibt, ist die philosophische Tiefe seiner Bildwelten sowie das Spiel mit Konnotationen und Antithesen, das den Begriff des „Aurum“ um jenen der „Aura“ erweitert. Und so Antinomien zu einem schlüssigen Ganzen verdichtet...

Benjamin Burkard lebt und arbeitet bei Landau/Rheinland Pfalz. Er absolvierte ein Kunstund Biologiestudium an der Universität Landau und gewann im Zuge seiner künstlerischen Tätigkeit zahlreiche Stipendiate und Preise, darunter den Heinrich-von- Zügel-Kunstförderpreis (2015). Seine Arbeiten waren bereits im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern ausgestellt sowie auf Messen wie der Art Karlsruhe und der Affordable Art Fair in Amsterdam zu sehen. Unlängst hatte er seine erste Einzelausstellung in den USA, in der James Wright Gallery in Los Angeles. Sowohl öffentliche als auch private Sammlungen listen den 33-Jährigen in ihrem Portfolio.

Die Laudatio auf den anwesenden Künstler wird die Kunst- und Kulturjournalistin Yorca Schmidt-Junker halten.

Benjamin Burkard – Aurum @ 30works
Eröffnung: 28.09.2019, 19:30 Uhr
Ausstellung 28.09. bis 19.10.2019
Öffnungszeiten: Di - Sa 12-18 Uhr

Foto: Benjamin Burkard – Strahlemann (Ölgemälde auf Leinwand)

 

 

Ort 

30works Galerie

Antwerpener Str. 42
50672 Köln
Deutschland NRW
0221-5700250
http://www.30works.de 

Anfahrt und Karte (klicke auf Symbol)

Veranstaltungsort:  Beschreibung Anfahrt Info mehr...
andere: Kunst und Kultur, Köln Szene
mehr aus: Köln
weitere von:
30works Galerie

Teilen

 

 zum Kalender

 

You have no rights to post comments

Datenbank von lebeART

weitere Beiträge

Nachrichten und Doku in Köln

Corona-Virus: Inzidenzzahl liegt bei 32,0 -Köln ist auf steigende Infektionszahlen vorbereitet

stadt Koeln LogoZur aktuellen Lage: Mit Stand heute, Donnerstag, 24. September 2020, 15 Uhr, gibt es auf dem Gebiet der Stadt Köln den insgesamt 4.649 (Vortag LZG: 4.596) bestätigten Corona-Virus-Fall. Die Inzidenzzahl liegt in Köln laut Landeszentrum für Gesundh...


weiterlesen...

Birkett Hall – ein außergewöhnliches Duo

birkett hallDie Musik des kanadischen Duos Birkett Hall ist kraftvoll, lyrisch, stimmlich stark, mit viel Energie gespielt und kommt aus den Wurzeln des Blues, Folk, Jazz, Rock, World Beat, Indie und Singer/Songwriter, hier und da gespickt mit ein bisschen Ps...


weiterlesen...

PIRRA - Limousine Lies

Cover Pirra   Limousine LiesDie australische Newcomer Band Pirra veröffentlicht ihre brandneue Single "Limousine Lies". Die Single gliedert sich wie die vorigen Singles "Under The Skyline" und "The Peak" ins Alternative Genre ein. Produziert wurde sie von ARIA Award Gewinner...


weiterlesen...

Wingenfelder

wingenfelder cover»SendeschlussTestbild« (VÖ 18.09.) – das neue Album der Fury In The Slaughterhouse Köpfe – ab Februar 2021 auf »SendeschlussTestbild« Tour

Es gibt einige wenige Bands, die mit ihren Songs so ein bestimmtes Gefühl wecken. Die sich anfühlen wie nach...


weiterlesen...

Köln geht in die Stichwahl - 825.000 Wahlberechtigte erneut zur Wahl aufgerufen

stadt Koeln LogoKöln geht in die Stichwahl. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) erzielte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag, 13. September 2020, 45,05 Prozent der Stimmen. Ihr Mitbewerber Andreas Kossis...


weiterlesen...

Köln Termine

landmann ausstellung.jpg
Sonntag, 27.Sep 10:00 - 22:00 Uhr
Ausstellung "An der Frau" LANDMANN-31

Förderverein Bauspielplatz logo.jpg
Sonntag, 27.Sep 10:30 - 19:00 Uhr
Nachhaltigkeitsfestival im Bauspielplatz Friedenspark

Kunsthaus Troisdorf.jpg
Sonntag, 27.Sep 11:00 - 14:00 Uhr
Ausstellung "KAZEM HEYDARI - RETROSPEKTIVE"

gaffel wiesn.jpg
Sonntag, 27.Sep 11:00 - Uhr
„O‘zapft is“ mit Gaffel Wiess

landmann ausstellung.jpg
Montag, 28.Sep 10:00 - 22:00 Uhr
Ausstellung "An der Frau" LANDMANN-31

yogalex.jpeg
Montag, 28.Sep 10:00 - 11:30 Uhr
Yoga Kurs III. 2020 Köln Kalk - Level 1 – 2

gaffel wiesn.jpg
Montag, 28.Sep 11:00 - Uhr
„O‘zapft is“ mit Gaffel Wiess

yogalex.jpeg
Montag, 28.Sep 18:30 - 20:00 Uhr
Yoga Kurs III. 2020 Köln Kalk - Level 2 – 3

yogalex.jpeg
Montag, 28.Sep 20:15 - 21:45 Uhr
Yoga Kurs III. 2020 Köln Kalk - Level 1 – 2

landmann ausstellung.jpg
Dienstag, 29.Sep 10:00 - 22:00 Uhr
Ausstellung "An der Frau" LANDMANN-31

Werbung

Monats Kalender

Letzter Monat September 2020 Nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
week 36 1 2 3 4 5 6
week 37 7 8 9 10 11 12 13
week 38 14 15 16 17 18 19 20
week 39 21 22 23 24 25 26 27
week 40 28 29 30

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.